Das Haus Peter Hellinger

Die wurmstichigen Dielen knarrten unter seinen Füßen, als er das Haus betrat. Leise schloss er die Tür und sperrte die Nebelnacht aus. Behutsam tastete er nach dem Lichtschalter. Seine Fingerspitzen spürten dem auf Putz verlegtem Kabel nach, fühlten den samtenen Stoff mit dem der Draht umwickelt war. Mein Gott, dachte er, das Haus ist aber wirklich alt. Seine Hand fand das Kästchen des Schalters und drehte den Knebel.

Die Lampe in der Mitte der Diele ging flackernd an, wieder aus und blieb mit drei trüben Glühbirnen an. Das fade Licht brach sich in staubbehängten Spinnweben, die von der Decke tief herabhingen. Er pustete, die Spinnweben bewegten sich heftig, und der Staub rieselte in dieser künstlichen Sturmböe. Die Hände vorgestreckt wie eine Gottesanbeterin zerteilte er den Vorhang der Zeit und drang tiefer in das Haus vor.

Er stellte sich vor, wie es damals wohl ausgesehen hatte: saubere Teppiche auf dem gescheuerten Parkett. Gemälde statt der hellen Flecken an den Wänden. Eine Mischung aus Pfeifentabak und teurem Parfüm in der Luft. Ein eifriges Hausmädchen, das ihm Gehrock, Hut und Stock abnahm. Eine hübsche junge Frau, die sich lachend bei im unterhakte, ihn in den Salon führte und ihm frischen Kaffee anbot. Verschwunden war der Glanz. Hier hausen nur noch Ratten und Spinnen.

Er betrat ein leeres Zimmer, vielleicht sogar den Salon, doch die Möbel hatte man schon vor langer Zeit entfernt. Durch das Fenster drang Licht; der Tag kämpfte sich langsam durch den Nebel. Von Weitem hörte man einen Hahn krähen. Wenn es nicht so neblig gewesen wäre, hätte man vielleicht die Berggipfel im Licht des Sonnenaufgangs glühen sehen können.

Nein, dachte er, zu viele fremde Erinnerungen, zu viele alte Geister. Hier würde er nicht glücklich werden. Er drehte sich um, ging durch die knarrende Diele und verließ das Haus.Auf dem Kiesweg davor blieb er stehen, betrachtete noch einmal den Nebel umwallten Giebel. Er zuckte mit den Schultern, knöpfte die Jacke zu und folgte dem Weg ins Dorf.

Hinter ihm strich der Wind über den Kamin des Hauses und es hörte sich beinahe an wie ein Seufzen.